Der Augenblick einer Staumeldung

Auch wenn die Stimme im Radio mit ihren endlosen Aufzählungen oft nervt, weil sie mitunter genau in dem Augenblick mit einer Staumeldung hereinplatzt, wenn gerade ein besonders interessanter Text oder eine besonders schöne Liedstelle gesendet wird, die man endlich einmal in voller Länge und in aller Ruhe anhören wollte. Oder wenn eine Staumeldung die Stimme des Autopilotsystems unterbricht, die gerade einen wichtigen Hinweis zu geben im Begriff war. Oder aber das Baby im Kindersitz hinten gerade das erste "Papa" von sich gegeben hat, das man durch die Staumeldung verpaßt hat. Aber wenn man auf eine Staumeldung wartet, weil man entscheiden will, welche Route man am besten wählen soll, dann ist die Ungeduld oft groß.


Namentlich, wenn man z.B. Richtung Heimat fährt und kurz vor der deutschen Grenze doch bitte sehr jetzt endlich hören will, wie die Verkehrssituation in Deutschland ist. Wie zum Beispiel die in den Nadelöhren wie München oder Stuttgart, welche man in der Regel nicht vermeiden kann, wenn man aus südlicher Richtung kommt und nach Norden muß. Da geschieht es nicht selten, daß man dann verzweifelt an allen Knöpfen des Radiogerätes dreht, um endlich den richtigen Verkehrssender hereinzubekommen. Da fragt man sich dann, ob es wohl ein so großes Problem sein kann oder ob es nicht doch technisch machbar wäre, das Sendegebiet über die Grenze hinaus auszudehnen und so zu erreichen, daß der Sender die Staumeldung wenigstens ein Stück über die Grenzen in andere Länder hineinstrahlt. Man ist entrüstet, daß man in dieser Situation so hilflos seinem Schicksalen überlassen wird.

Wie froh und dankbar ist man dann, die so ungeliebte, oft verwünschte Stimme zu hören, selbst dann, wenn sie wieder über eine schier endlose Zahl von Staus und andere Verkehrsprobleme zu berichten hat. Aber schließlich weiß man dann endlich, woran man ist. Auch wenn dann aufgrund der Staumeldung das Rätselraten über die Wahl der Route wieder beginnt.